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28.11.2011

SZ vom 28.11.11

Das Trauma von Mord und Flucht

Er sitzt ganz locker da und sieht aus wie viele 16-Jährige: mit Jeans und weißen Turnschuhen, Gel in den Haaren. Und in vielem unterscheidet sich Suraj Hakimi (alle Namen geändert) nicht von Gleichaltrigen. Er spielt Fußball, würde gerne ins Kino gehen und im Fitness-Studio trainieren – wenn er es sich leisten könnte. Doch Suraj und seine Geschwister leben von Sozialhilfe.



Sein Vater starb in Afghanistan noch bevor Suraj geboren war, seine Mutter starb ganz unerwartet im Sommer an einer Krankheit, sie wurde 51 Jahre alt. „Ich kann es immer noch nicht glauben“, sagt Suraj. Trost findet er im Glauben, nach muslimischer Sitte betet er fünfmal am Tag – außer in der Schule.
Als die Mutter von Suraj mit ihm schwanger war, wurde sein Vater umgebracht, kurz darauf musste die Familie aus Afghanistan fliehen. Elf Jahre lang lebten sie in verschiedenen Flüchtlingsunterkünften in München und seit 2007 in einer Sozialwohnung im Hasenbergl. Inzwischen teilt sich Suraj mit seinen vier Brüdern die 92 Quadratmeter, die zwei Schwestern sind ausgezogen. Der 22-jährige Walid ist Vormund von Suraj geworden, der gelernte Einzelhandelskaufmann ist zurzeit arbeitslos.
Suraj will nach der Schule auch gerne Einzelhandelskaufmann werden. Er möchte nicht wie sein Bruder Lebensmittel verkaufen, sondern Kleider oder Elektrogeräte. Doch dafür braucht er einen guten Abschluss, und danach sieht es im Moment nicht aus. Er liebt zwar Sport und Kunst, doch in Mathe hat er Schwierigkeiten. Deshalb braucht er dringend Nachhilfe. Doch die kostet – wie fast alles – mehr als er und seine Brüder zahlen können.

(SZ vom 28.11.11)